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SPANDAU

Spandau „bei Berlin“.

Janz weit draußen, noch hinter der Havel, Spandau sei quasi gar nicht mehr Berlin – so die gefühlte Meinung in der Innenstadt.

Und auch die Spandauer kokettieren gerne mit ihrer Unabhängigkeit. Dabei ist Spandau gar nicht so weit weg, wie viele glauben – weder geografisch noch kosmopolitisch.

Wo ist nachts keine Sau?

Von wegen! Spandau … „be Berlin!“. Gerade einmal 14 Minuten braucht die Regionalbahn bis zum Potsdamer Platz; in nur zehn Minuten ist die S-Bahn an der Messe oder am Olympiastadion. „Wo ist nachts keine Sau, aber die Havel blau? Ja, ganz genau – Spandau!“, sang Horst Evers in seinem Spandau-Song. Dabei ist der viertgrößte Berliner Bezirk alles andere als schnarchig. Auf der Spandau zugehörigen kunst- und medienstarken Havel-Insel Eiswerder spielen an den Wochenenden regionale Nachwuchs- und Newcomerbands. Das Ballhaus Spandau zählt zu den ältesten Rockdiskotheken Europas. Und in der Zitadelle treten regelmäßig Künstler von Weltrang auf – sowohl Indoor als auch Open Air auf der Freilichtbühne am Zitadellenglacis.

Wer sich über Spandau informieren möchte, macht im Gotischen Haus in der Breite Straße Halt. Dort sind die Touristeninformation und das stadtgeschichtliche Museum untergebracht. Das Wohnhaus in Kork, dem ältesten Viertel Spandaus, entstand in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und ist damit der älteste Profanbau in Berlin.

Doch die Spandauer Altstadt ist nicht nur hübsch anzusehen, hier wird auch gefeiert. Auf dem Spandauer Altstadtfest & Weinsommer treten Musiker und Artisten auf. Und der Spandauer Weihnachtsmarkt gilt mit seinen 400 Ständen als der größte in Berlin. Und auch die größte zusammenhängende Fußgängerzone der Stadt befindet sich hier, in der Spandauer Altstadt. Sie ist mit ihren 160 Geschäften, den drei Kaufhäusern und dem regelmäßig stattfindenden Bauernmarkt ein Klassiker in Berlin.

Zwischen Spandauer Riviera und Wernerwerk

Ruhiger geht es in Gatow und Kladow zu. Die Ortsteile an den Ausläufern der Havel sind vor allem bei den bessersituierten (Neu-)Spandauern begehrt. Warum, das versteht jeder, der einmal mit der Fähre F10 vom Wannsee aus nach Alt-Kladow schippert. Die Fahrt führt vom Strandbad aus an der Pfaueninsel vorbei, hindurch zwischen Seglern und Ruderern, bis zur Spandauer Riviera. An der Uferpromenade liegen weißglänzende Jachten vor Anker, dahinter großbürgerliche Villen.

Kunst und Kultur gibt es im Gut Neukladow inmitten des wunderschönen Landschaftsparks der „Villa Luise“, wie das gelbe Gutshaus auch genannt wird. Konzerte, Kabarett und Comedy, aber auch Lesungen und Kindertheater bietet das Kulturhaus Spandau. In dem ehemaligen Umspannwerk in der Altstadt sind zudem eine Galerie, ein Kino, das Café Unvernunft und neben dem Theatersaal ein Ballettsaal und eine Probebühne beheimatet. Auf dem ehemaligen Flugplatz Gatow befindet sich heute das Luftwaffenmuseum der Bundeswehr.

Urban ist es dagegen in Haakenfelde mit seiner modernen Architektur oder in Siemensstadt. Der gesamte Ortsteil wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Werner von Siemens gestaltet, der hier Wohnraum für seine Arbeiter im Siemenswerk geschaffen hat. Das gesamte Ensemble gehört zu den „Siedlungen der Berliner Moderne“ und ist damit Teil des Unesco-Weltkulturerbes. An die einstige Bedeutung des Werkes erinnern noch immer die Schienen der alten Siemensbahn. Seit 1980 fuhr allerdings kein Zug mehr von der Ringbahn-Station Jungfernheide über die Stationen Wernerwerk und Siemensstadt bis nach Gartenfeld. Und so hat sich die Natur die Bahnstrecke zurückerobert. Die verlassenen Bahnhöfe sind einer der Hidden Places Berlins.